Je „mehr“ Stone, desto wahrscheinlicher der Weg zum Transmann? Diese Aussage beschäftigt mich schon seit langem.
Doch dazu muss ich weiter zurückgehen- zu der Zeit, als ich entdeckte, dass ich stone bin.
In der ersten Zeit mit meiner damaligen Femme wurde ich sexuell so aktiv wie ich es von mir nicht kannte, ich hatte plötzlich Bedürfnisse, die mich selbst immer wieder erstaunten. Wir waren in einem regelrechten Liebestaumel, der immer schönere Dinge hervorbrachte.
Trotzdem gab es auch Situationen, die sich falsch anfühlten, vor allem wenn meine unbekleidete Brust und Genitalien ins Spiel kamen. Ich kann es nicht erklären, aber da war etwas, was dort nicht hingehörte. Also sollte das gefälligst auch keine Aufmerksamkeit bekommen.
Anfangs dachte ich noch, dass das von meiner Heterozeit herrührte und so bemühten wir uns erstmal, bestimmte Zonen nicht einzubeziehen- vielleicht, etwas später, wenn ich sicherer geworden wäre- vielleicht würde es ja dann klappen.
Immer wieder versuchte meine Femme vorsichtig, die Grenzen zärtlich zu überwinden, dabei immer im Auge, wie ich darauf reagierte. Aber ich fühlte mich damit nicht wohl, manchmal ließ ich es zu, dass sie mehr ausprobierte, nur um dann an einen Punkt zu kommen, an dem plötzlich jede Berührung, egal an welcher Stelle, richtig schmerzte. Es war kein rein körperlicher Schmerz, ich kann das gar nicht richtig beschreiben… Wir versuchten es immer wieder, irgendwann würde ich mich schon daran gewöhnen (dachte ich jedenfalls) bis es zu einem Fiasko kam, das uns beiden wehtat.
Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass das nicht mehr mein Körper sei, den wir da liebevoll auf einen bestimmten Weg bringen wollten. Ich betrachtete meinen Körper plötzlich als Spielzeug, der nichts mehr mir zu tun hatte. Ich empfand nichts mehr, gar nichts Körperliches.
Von dem Tag an waren bestimmte Zonen absolut tabu, andere wurden umgedeutet und so in langsamen Schritten mit einbezogen. Wir schafften es, dass Berührungen wieder etwas sehr schönes wurden und ich sie genießen konnte.
Gott sei Dank fand ich bald den Namen für das, was da bei mir passierte: STONE. Ich lernte mit meiner Stone- Sexualität umzugehen und sie nicht mehr als Störung anzusehen, die irgendwie überwunden werden muss.
Wie das so ist mit dem Lesen, irgendwann stolpert man dann über „große Erkenntnisse“. Das, was vor allem meiner Femme extrem zusetzte, war der Satz: „Je mehr stone, desto schneller geht der Weg in Richtung Transmann“
Es gab einen Riesenknall, ich fand es logisch, warum sollte ich nicht mit Testo die Stimme bekommen, von der ich schon immer geträumt habe? Ich hatte meinen neuen Weg in so kurzer Zeit hinter mich gebracht, warum sollte es nicht genauso schnell weitergehen? Wenn ich mich schon ändere, dann doch gleich richtig…
Ich bewundere immer noch meine Femme, die mir erst geduldig half, mein Stonesein zu akzeptieren und nun in einen neuen Trubel katapultiert wurde.
Jetzt aber war sie noch mehr selbst betroffen, denn der Trans*weg hätte ja auch nicht unerhebliche Einwirkungen auf ihr Leben. Oft sprachen wir darüber, was sie erwarten würde, wie es ihr damit geht, ob sie mitgehen würde und vor allem wie weit. Für sie stand fest: jedenfalls nicht bis zum Ende, nicht als Partnerin- als Freundin ja, aber nicht als Frau eines Transmannes.
Nun war ich also gefragt. Sie half mir in stunden-, ja nächtelangen Diskussionen darüber klarzuwerden, dass ich doch kein eindeutiger Mann werden will. Dass ich weder Frau noch Mann sein möchte. Aber wollte ich das wirklich? Wir stellten uns eine Skala vor: links Frau rechts Mann. Täglich notierte ich, wo ich an dem Tag stand, weil ich mich so fühlte. Heraus kam, dass ich zwar in der zweiten rechten Hälfte die meisten Punkte hatte, aber nie direkt den Mann und einen unmittelbaren Raum davor markierte. Unbewusst (?) hatte ich mich also gegen FzM entschieden.
Ziemlich lange hatte ich kaum stärkere Gedanken in Richtung Trans*. Selbst als die Beziehung auseinanderging, spürte ich nur selten den Wunsch, wieder in den Prozess einzusteigen, ich fühlte mich in meiner Schublade wohl, die TG Stone Butch heißt.
Doch jetzt, nach der OP, kam das alles wieder mit Macht hervor, schließlich habe ich ja schon einen nicht unerheblichen Teil dadurch geschafft. Stimmt es also doch, dass stone irgendwann zum Transmann führt? Oder ist das nur wieder eine „Phase“, eine Identitätskrise, die vorübergeht?
Und wieder drehen sich die Gedanken im Kreis, immer schneller, immer heftiger, immer lauter.

20. Mai 2008 um 19:53 |
Von wem stammt denn der Satz?
Ich weiß zwar nicht, ob Dich das nun beruhigt, aber ich glaube nicht, daß an Deiner Theorie was dran ist, sorry.
Was wäre denn dann mit den Transmänner, die sich anfassen und vaginal vögeln lassen? Sind das dann plötzlich keine Transmänner mehr, sondern Butches? TGs?
Was ist mit den Butches und TGs, die stone sind, aber keine Hormone oder OPs wollen? Müssen die sich dann plötzlich in die Reihe der TMs stellen?
Nur DU alleine weißt, ob DU TM bist oder nicht – völlig unabhängig davon, ob Du stone bist oder nicht
Ich persönlich glaube ja, daß bei Dir allerdings erste einmal andere Dinge anstehen, wenn Du verstehst, was ich meine
22. Mai 2008 um 14:26 |
Übrigens, falls das nicht angekommen sein sollte… ich kann gut verstehen, daß Du Dich wie ein Kreisel fühlst, der aus dem Rotieren nicht mehr rauskommt.
23. Mai 2008 um 10:26 |
Es ist aber leider nicht so einfach, die Gedanken abzuschalten. Gibts da irgendwo einen Knopf für, der wäre schon hilfreich. Ich habe mich ja selbst gefragt, ob es nur wieder eine Identitätskrise ist, aber eben noch keine eindeutige Antwort gefunden.
Die Quelle der Aussage bekommst du noch, sie stammt von einem Transmann, den du selbst kennst. Er hat sie ja auch gleich relativiert, aber wie das so ist mit dem selektiven Lesen…
Allerdings scheint diese Auffassung doch häufiger zu sein, denn wir haben sie damals auch im amerikanischen BF-Forum gefunden.
Ich wollte das auch nicht verallgemeinern, sie war eben bei mir mit der Auslöser für meine Überlegungen in Richtung Transmann.
23. Mai 2008 um 10:50 |
Oh ja, ich kenn das mit dem selektiven Lesen auch. Egal wie sehr man denkt, daß es nicht für alle gilt, aber es hakt sich dann halt doch irgendwo fest und frißt sich bis ins Innerste.
Das mit dem Ausschaltknopf: der ist auf Deinem Rücken, Du weißt schon, genau an dem einen Punkt, an den man alleine nicht rankommt.
Zumal ich nichts davon geschrieben habe, die Gedanken einfach abzuschalten. Das läge mir fern, wo ich doch selbst ein Meister im nicht-abschalten-können bin