Krise Dienstag, Mai 27 2008 

TEND

… auf deinen Körper, der nicht so funktioniert, wie du es verlangst

… auf dein Hirn, das dich in eine Achterbahn nach der anderen stürzt

… auf deinen Körper, der anders aussieht, als du dich selbst siehst

… auf deine Gedanken, die dich ständig wieder von Neuem an deine Pflichten erinnern, die du anderen gegenüber hast, zu haben glaubst

… auf dich selbst, weil du immer noch zögerst, endlich der zu sein, der du selbst sein willst

… auf deine Sprachlosigkeit, die dich immer mehr verzweifeln lässt

… auf dich, weil du weißt, was du ändern musst, es aber doch nicht machst

… weil du dich immer nur im Kreis drehst … immer weiter, immer weiter, immer weiter

Stone = Trans*? Dienstag, Mai 20 2008 

Je „mehr“ Stone, desto wahrscheinlicher der Weg zum Transmann? Diese Aussage beschäftigt mich schon seit langem.

Doch dazu muss ich weiter zurückgehen- zu der Zeit, als ich entdeckte, dass ich stone bin.

In der ersten Zeit mit meiner damaligen Femme wurde ich sexuell so aktiv wie ich es von mir nicht kannte, ich hatte plötzlich Bedürfnisse, die mich selbst immer wieder erstaunten. Wir waren in einem regelrechten Liebestaumel, der immer schönere Dinge hervorbrachte.

Trotzdem gab es auch Situationen, die sich falsch anfühlten, vor allem wenn meine unbekleidete Brust und Genitalien ins Spiel kamen. Ich kann es nicht erklären, aber da war etwas, was dort nicht hingehörte. Also sollte das gefälligst auch keine Aufmerksamkeit bekommen.

Anfangs dachte ich noch, dass das von meiner Heterozeit herrührte und so bemühten wir uns erstmal, bestimmte Zonen nicht einzubeziehen- vielleicht, etwas später, wenn ich sicherer geworden wäre- vielleicht würde es ja dann klappen.

Immer wieder versuchte meine Femme vorsichtig, die Grenzen zärtlich zu überwinden, dabei immer im Auge, wie ich darauf reagierte. Aber ich fühlte mich damit nicht wohl, manchmal ließ ich es zu, dass sie mehr ausprobierte, nur um dann an einen Punkt zu kommen, an dem plötzlich jede Berührung, egal an welcher Stelle, richtig schmerzte. Es war kein rein körperlicher Schmerz, ich kann das gar nicht richtig beschreiben… Wir versuchten es immer wieder, irgendwann würde ich mich schon daran gewöhnen (dachte ich jedenfalls) bis es zu einem Fiasko kam, das uns beiden wehtat.

Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass das nicht mehr mein Körper sei, den wir da liebevoll auf einen bestimmten Weg bringen wollten. Ich betrachtete meinen Körper plötzlich als Spielzeug, der nichts mehr mir zu tun hatte. Ich empfand nichts mehr, gar nichts Körperliches.

Von dem Tag an waren bestimmte Zonen absolut tabu, andere wurden umgedeutet und so in langsamen Schritten mit einbezogen. Wir schafften es, dass Berührungen wieder etwas sehr schönes wurden und ich sie genießen konnte.

Gott sei Dank fand ich bald den Namen für das, was da bei mir passierte: STONE. Ich lernte mit meiner Stone- Sexualität umzugehen und sie nicht mehr als Störung anzusehen, die irgendwie überwunden werden muss.

Wie das so ist mit dem Lesen, irgendwann stolpert man dann über „große Erkenntnisse“. Das, was vor allem meiner Femme extrem zusetzte, war der Satz: „Je mehr stone, desto schneller geht der Weg in Richtung Transmann“

Es gab einen Riesenknall, ich fand es logisch, warum sollte ich nicht mit Testo die Stimme bekommen, von der ich schon immer geträumt habe? Ich hatte meinen neuen Weg in so kurzer Zeit hinter mich gebracht, warum sollte es nicht genauso schnell weitergehen? Wenn ich mich schon ändere, dann doch gleich richtig…

Ich bewundere immer noch meine Femme, die mir erst geduldig half, mein Stonesein zu akzeptieren und nun in einen neuen Trubel katapultiert wurde.

Jetzt aber war sie noch mehr selbst betroffen, denn der Trans*weg hätte ja auch nicht unerhebliche Einwirkungen auf ihr Leben. Oft sprachen wir darüber, was sie erwarten würde, wie es ihr damit geht, ob sie mitgehen würde und vor allem wie weit. Für sie stand fest: jedenfalls nicht bis zum Ende, nicht als Partnerin- als Freundin ja, aber nicht als Frau eines Transmannes.

Nun war ich also gefragt. Sie half mir in stunden-, ja nächtelangen Diskussionen darüber klarzuwerden, dass ich doch kein eindeutiger Mann werden will. Dass ich weder Frau noch Mann sein möchte. Aber wollte ich das wirklich? Wir stellten uns eine Skala vor: links Frau rechts Mann. Täglich notierte ich, wo ich an dem Tag stand, weil ich mich so fühlte. Heraus kam, dass ich zwar in der zweiten rechten Hälfte die meisten Punkte hatte, aber nie direkt den Mann und einen unmittelbaren Raum davor markierte. Unbewusst (?) hatte ich mich also gegen FzM entschieden.

Ziemlich lange hatte ich kaum stärkere Gedanken in Richtung Trans*. Selbst als die Beziehung auseinanderging, spürte ich nur selten den Wunsch, wieder in den Prozess einzusteigen, ich fühlte mich in meiner Schublade wohl, die TG Stone Butch heißt.

Doch jetzt, nach der OP, kam das alles wieder mit Macht hervor, schließlich habe ich ja schon einen nicht unerheblichen Teil dadurch geschafft. Stimmt es also doch, dass stone irgendwann zum Transmann führt? Oder ist das nur wieder eine „Phase“, eine Identitätskrise, die vorübergeht?

Und wieder drehen sich die Gedanken im Kreis, immer schneller, immer heftiger, immer lauter.

Nachdenkliches ganz unsortiert Donnerstag, Mai 15 2008 

Als feststand, dass aufgrund einer Erkrankung die Hysto erforderlich ist, musste ich mich ziemlich zusammenreißen, dass ich die Ärztin nicht angrinse. Schließlich bekam ich etwas, wofür andere lange kämpfen mussten, mühelos. (Klar hatte ich wegen der Krankheit Angst, aber im ersten Moment war ich nur froh, den Uterus loszuwerden)

Ich habe mich in letzter Zeit sehr oft gefragt, ob es mir nicht viel lieber gewesen wäre, wenn stattdessen eine Mastektomie stattgefunden hätte. Und ja, _das_ hätte ich eindeutig bevorzugt. Schließlich ist die Brust das nach außen sichtbarste weibliche Körpermerkmal.

Aufgrund dieser Gedanken sind wieder die Überlegungen in Richtung Transmann stark in den Vordergrund getreten. Wie weit will ich eigentlich gehen? Brauche ich das wirklich, um mich sicherer, wohler, authentischer zu fühlen?

Diese Fragen habe ich noch nicht eindeutig beantworten können.

Was mich dabei auch zurückhält, sind unter anderem meine Beobachtungen in einer bestimmten Community. Sehr viele Butches haben sich auf den Trans*weg gemacht. Teilweise habe ich den Eindruck, es herrscht ein Wettbewerb: wer macht alles mit, wer ist schneller „fertig“? Das gegenseitige Beglückwünschen, wenn eine neue Etappe geschafft wurde, diese Euphorie dabei… Manches Mal habe ich schon gedacht: „Hoffentlich ist es wirklich das, was sie für sich selbst am meisten brauchen und wollen. Hoffentlich bereuen sie später nicht, dass sie diesen Weg so extrem schnell gegangen sind!“

Außerdem kommen noch manche Äußerungen und Handlungen bestimmter Trans*leute dazu. Für sie sind Transgender unentschlossen, können sich nicht entscheiden. Diese Vorwürfe kommen offen oder in Andeutungen rüber.

Oft erschreckt mich die Rücksichtslosigkeit gegenüber ihren PartnerInnen. Für Transmänner scheint wirklich nur wichtig zu sein, wie sie schnell vorwärts kommen. Wie es den PartnerInnen damit geht, ist anscheinend völlig egal.

Klar hängt es von jedem selbst ab, wie er die Menschen, die ihm wichtig sind, mit einbezieht, aber ich hätte einfach Angst, zu einem egoistischen Macho zu werden.

Wenn ich das jetzt alles nochmal durchlese, habe ich doch deutlich mehr Argumente gegen den Trans*weg als ich dachte. Ich glaube, dieser Denkprozess ist noch lange nicht zu Ende, aber so schnell werde ich wohl doch nicht aus vollem Herzen JA schreien.

***

Andererseits hat mich auch gerade die Zeit im Krankenhaus ziemlich dünnhäutig gemacht. Dieses Hetero- Gelabere „der Uterus ist _das_ weibliche Organ, wie kann eine Frau sich ohne ihn noch weiblich fühlen?“… Die ständigen Geschichten nach dem Motto „nur mit einer Mann- Frau- Rollenverteilung kann die Familie richtig funktionieren und glücklich werden“ Diese ganze Klischeeabspulerei hat mich ziemlich wahnsinnig gemacht. Damit konnte ich absolut nichts anfangen und habe manches Mal vor Wut ins Kissen gebissen.

Aber die Frauen haben wirklich an das geglaubt, was sie da erzählten. Es war anscheinend ihre Art sich zu bestätigen, sich zu vergewissern, dass sie trotz der OP noch Frauen sind… Trotzdem musste ich mich oft genug zusammenreißen, ihnen ihre Welt nicht auseinanderzupflücken. Nur weil ich wusste, dass sie in einer ziemlichen Ausnahmesituation waren, habe ich nicht sehr viel dazu gesagt.

Allerdings hat mich das darin bestätigt, dass ich wirklich keine Frau in ihrem Sinne bin, ja nicht einmal ansatzweise sein will.

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Aber was bin ich denn nun?!?

Transmann passt (noch?) nicht, Frau aber erst recht nicht. Transgender trifft es, damit kann ich mich identifizieren. Aber wer kann damit wirklich etwas anfangen? Wer akzeptiert das, ohne wenn und aber? Wer gesteht einem diese Uneindeutigkeit zu, glaubt, dass man sich so, wie es ist, am wohlsten fühlt?

Also ist es doch einfacher, den Weg zum Mann zu gehen und dadurch auch nach außen „richtig“ einordbar zu sein???…