Update Mittwoch, Sep 2 2009 

Es ist mal wieder Zeit für ein Trans*-Update bei mir. Denn noch im Juni letzten Jahres habe ich mich ja gegen VÄ und Mastek entschieden. Das hat sich jetzt geändert.

Jetziger Stand in Sachen Trans* bei mir ist:
VÄ – ja
Mastek – ja
Testo – nein
Hysto – nein
Aufbau – nein

Was sich nicht geändert hat, ist meine Selbstdefinition als TG-Butch, auch wenn ich TM zu Erklärungszwecken nutze, um unnötige Komplikationen zu vermeiden (auch ich muß es nicht immer komplizierter machen, als unbedingt notwendig).

Wie ist es dazu gekommen? Dazu zitiere ich einfach mal einen Auszug aus einer Mail an Freunde:

ich dachte, es ist an der Zeit, dass ich mal wieder ein Lebenszeichen von mir gebe, nachdem ich doch ganz schön lange in der Versenkung verschwunden bin und mich bei vielen Freunden und Bekannten selten oder gar nicht mehr gemeldet habe — Asche auf mein Haupt.
[ ... ]
Der Grund meines Abtauchens liegt zum größten Teil daran, dass ich mich ziemlich genau vor zwei Jahren schon einmal intensiv mit dem Gedanken der Vornamensänderung und der Brustentfernung beschäftigt habe. Nach längerem hin und her habe ich mich doch dagegen entschieden, weil ich dachte, es geht schon irgendwie.
Ich habe aber festgestellt, dass es doch nicht irgendwie geht und ich nicht den Rest meines Lebens in meinen eigenen vier Wänden verbringen kann und vor allem nicht will. Ganz so ein Eremit bin ich dann auch nicht. Es ist aber genau das, was ich nach meiner Entscheidung gemacht habe. Ich habe mich Zuhause verkrochen und bin nur noch unwillig aus dem Haus.

Der Aufenthalt bei meiner Familie [aufgrund eines Todesfalles] war quasi der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, weil ich sehr deutlich bemerkte, wie schizophren ich mich fühle. Meine Verwandten sprachen von und mit jemandem, den ich nicht mit mir in Verbindung bringen konnte und zu dem (oder sollte ich sagen zu der) ich keinen Bezug herstellen konnte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin seit dem 17.08.09 (was für ein schönes Datum!) mitten im Prozess der Vornamensänderung, was eigentlich nur heißt, dass ich den Antrag ans Gericht geschickte habe und warte (und warte und warte…), bis sich was tut.

Warten tu ich jetzt natürlich immer noch, denn so schnell geht das ja leider nicht. Dabei habe ich das Gefühl, dass ich mich endlich entschieden habe und das Ganze jetzt bitte ruckzuck über die Bühne zu gehen hat. Schön wär’s. Ich habe meinen Entschluss natürlich auch genau dann gefasst, als alle Gutachter im Urlaub waren…

Dafür habe ich alle Coming-Outs bereits hinter mich gebracht, aber das ist echt einen extra Beitrag wert, denn ich diese Woche auch noch schreiben werde :D

Wer meinen Beitrag »Gefühl – oder eine Homage an die Nippel« gelesen hat, wird wissen, dass mir die Entscheidung pro Mastek wirklich nicht leicht gefallen ist. Da ich meine Brüste aber 24 Stunden am Tag an 7 Tagen in der Woche mit mir herumtrage und sie deswegen immer präsent und immer im Blickfeld anderer (vor allem wohl in meinem Bewusstsein) sind…
Aus lauter Angst, dass ich doch noch mal schwach werde, möchte ich gerade auch gar nicht mehr an den Brüsten angefasst werden. Ich komme mir fast vor wie ein Alkoholiker, der dann doch wieder zur Flasche greift, auch wenn er weiß, dass es nicht gut für ihn ist. Blöd das… eigentlich könnte ich die Zeit ja auch einfach noch genießen… zumal ja nicht gesagt ist, dass nach der OP tatsächlich jedes Gefühl weg sein bzw. wegbleiben wird. Aber die Angst davor ist natürlich da und vermutlich nicht ganz unberechtigt.
Da meine Prioritäten diesbezüglich etwas andere sind, plane ich, mehrere Ärzte zu befragen, was sie mir da empfehlen können (mein Traum ist es z.B., ein enges T-Shirt tragen zu können und trotzdem zu passen, nicht oben ohne in der Gegend rumzulaufen/liegen).
Mal sehen, ich halte euch dann auf dem Laufenden.

Gestern auf dem Amt – oder: die Verlockung der VÄ Freitag, Jul 4 2008 

Ich sitze seit Stunden herum und warte darauf, daß ich endlich dran bin. Die erste Flut an Menschen ist schon abgefertigt und nach einer kleinen Flaute strömen wieder mehr dazu.
Breitbeinig, mit den Ellenbogen auf den Knien aufgestützt, starre ich auf den Fußboden und überlege, was ich in der Zeit alles hätte machen können. Das Lesen habe ich aufgrund von mangelnder Konzentrationsfähigkeit aufgegeben.
„Frau XY, bitte.“
Die Vertrautheit meines Namens dringt durch den Nebel meiner Langeweile und ich erhebe mich.
„Oh, habe ich da falsch in den Computer geschaut?“
Ich ignoriere die Frage, die mein zuständiger Sachbearbeiter in den Raum voller Menschen wirft und gehe zu ihm hinüber. Was hätte ich auch antworten sollen?
„Jetzt bin ich verwirrt,“ sagt er.
„Nicht nur Sie,“ antworte ich und überlasse ihm die Interpretation meiner Aussage.
Um seine Verwirrung zu entwirren stürzt der gute Mann erst einmal an seinen Rechner und schaut rein.
„Nein, da steht Frau XY.“
„Sie können mich auch gerne mit „Herr“ ansprechen, das paßt auch ganz gut.“ Das hatte bei (s)einer Kollegin vor einem knappen Jahr auch ganz funktioniert, nachdem ich ihr zugesichert hatte, daß es völlig in Ordnung sei und es sich für mich auch stimmiger anfühlte.
Nicht so Mister Dienst-nach-Vorschrift. Wahrscheinlich bin ich bei meinem Glück mal wieder bei einem Neueinsteiger gelandet. Wäre ja nicht das erste Mal.

Mister Dienst-nach-Vorschrift ist auch nicht sehr erbaut darüber, wenn man aufgrund seiner Aussagen nochmals nachhakt, weil man andere Informationen hat (wohlgemerkt aus dem gleichen Haus). Oh, nein.
Merke: stelle nicht die allwissende Autorität eines Menschen in Frage, von dem du etwas willst, auch nicht durch freundliche, verwirrte oder verunsicherte Nachfragen.

Das Gespräch geht seinen Gang und wir landen irgendwann bei meinem erlernten Beruf, den er in der weiblichen Form wiederholt. Woraufhin ich ihn erneut in der männlichen Form ausspreche – ja, ich habe mal wieder nicht nachgedacht (und ja, er bekommt den Credit von meinem feministischen Anteil, aber nicht von mir als Transgender).
„Sie sind doch aber eine Frau.“
„Das ist das, was Sie denken. Ich fühle mich aber nicht so.“ Daß er mich als Mann sah, bevor er genaueres wußte, hat er schon wieder völlig vergessen. Schließlich steht ja in seinem Rechner, daß ich eine Frau zu sein habe.
Genau das erklärt er mir auch und solange das so in seinem Computer steht…
Ich beiße die Zähne zusammen und lächle nett. Ich schaffe es sogar, später irgendwo noch einen kleinen Witz unterzubringen.

Ich habe den Rest des Tages damit verbracht, mir in allen Einzelheiten vorzustellen, wie es wäre, wenn ich innerhalb einer Woche die VÄ durchbekommen würde. Denn da habe ich den nächsten Termin bei ihm. Es wäre einfach zu schön, ihm mit seinem eigenen Argument zu kommen, wenn ich da vor ihm sitze (womöglich noch in engem T-Shirt) und es steht Fritz XY auf seinem Monitor.
Nicht, daß das alleine ein guter Grund für eine VÄ ist, oder es die Atmosphäre verbessern würde, aber nett war die Vorzustellung trotzdem.

Vornamensänderung Montag, Okt 29 2007 

Was mir inzwischen sehr klar geworden ist, ist daß ich meinen Vornamen ändern möchte. Mir behagt der Gedanke nicht, im Impressum meiner Homepage mit dem Namen, den meine Eltern mir gegeben haben, zu stehen. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich dort nicht weiterkomme.
Ich habe zu diesem Namen überhaupt keinen Bezug. Er paßt absolut nicht zu mir. Und er schreibt mich eindeutig auf ein Geschlecht zu, welches ich nicht als das meine empfinde. Ich kann gut damit leben, einen relativ neutralen Rufnamen, einen eindeutig männlichen Zweitnamen und trotzdem den Verweis »weiblich« in meinem Ausweis stehen zu haben.